Was wir vom Pariser Croissant lernen können – und warum Apfelkuchen das wahre Glück ist

Paris konsumiert nicht nur, die Stadt zelebriert. Und zwar jeden einzelnen Bissen. Croissants, Macarons, Éclairs… All diese kleinen Köstlichkeiten sind an Genuss und Handwerkskunst nicht nur schwer zu überbieten, sie strahlen auch einen gewissen Stolz aus. Und ich finde: Von dem könnten wir uns hierzulande ruhig mal etwas mehr auf den Teller laden.

In Paris ist der Morgen ein kleines Ritual aus Teig, Butter und Knusprigkeit. Mehr? Braucht es nicht, um den Endorphinspiegel aus dem Tiefschlaf zu holen. Ich durfte es selbst schon am eigenen Leib erfahren. Der erste Bissen in ein Croissant im Café de Flore? Wirklich immer eine Offenbarung, die mir hierzulande oft fehlt. In Paris ist es selbstverständlich, dass heimisches Gebäck mehr ist als etwas, das man einfach nur in eine Papiertüte stopft und dann irgendwo zwischen Büro, Bahn und Küchentresen in sich hineinschlingt. Ein Croissant wird gefeiert, ein Macaron bewundert, ein Éclair zelebriert. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Selbstverständlichkeit. Es geht um Handwerk, um Haltung, um Stolz auf das, was man schafft. Warum schaffen wir das eigentlich nicht auch?

In Deutschland wird alles in Sahne, Gelatine, Zuckerguss oder Fondant ertränkt

In Deutschland wirken Backwaren (abgesehen von Brot und Brötchen, darin sind wir einfach unübertroffen!) oft wie unscheinbare Begleiter des Alltags: solide, verlässlich, aber selten spektakulär. Wir widmen uns voller Leidenschaft der Neuinterpretation von Kanelbullar, Brownies, Muffins oder Bananebrot, aber selten dem, was uns wirklich ausmacht. Warum verlieben wir uns in französische Croissants und schwedische Zimtschnecken, nicht aber in unsere eigenen Backtraditionen? Ich weiß es: Ein trockener Rührkuchen, der selten mehr als ein Lückenfüller ist, ein schlichter Hefezopf, der geschmacklich eher an Pappe erinnert, ein Obstkuchen mit glibbriger Geleehaube. Und dann wäre da noch dieses Phänomen, ständig alles in Sahne, Gelatine, Zuckerguss, Puderzucker oder Fondant ertränken zu müssen. Sexy und nach Gaumenfreude klingt das nun wirklich nicht gerade. Oder wann haben Sie zuletzt ein richtig, ich meine ein richtig, richtig gutes Stück Apfelkuchen gegessen? Eben. Auch ich müsste jetzt sehr lange überlegen. Irgendwie traurig, oder? Dabei erzählen doch gerade diese Klassiker die besten Geschichten. Der Duft eines frisch gebackenen Apfelkuchens, der noch warm aus dem Ofen kommt, Streusel, die beim Schneiden des Zwetschgenkuchens leicht knistern, ein Hefezopf, der beim Reinbeißen weich und fluffig ist wie eine Wolke. Wie das schon klingt! Diese Klassiker sind nicht einfach nur Gebäck, sie sind Handwerk, Geschmack und Erinnerung zugleich. Und genau diese kleinen Geschichten verdienen es, wieder gesehen und erlebt zu werden.

Das große Genuss-Abenteuer muss nicht in Paris oder New York beginnen

Wer sagt, dass all das nicht so aufregend sein kann wie ein Croissant von Angelina in der Rue de Rivoli oder Macarons von Ladurée? Wer sagt, dass ein klassischer Käsekuchen, Maulwurfkuchen oder Bienenstich nicht auf moderne Art überraschen könnte? Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mir läuft schon beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen. Das große Genuss-Abenteuer muss nicht in Paris oder New York beginnen. Manchmal liegt es direkt vor uns – auf dem heimischen Teller. Fernab von Tarte Tatin und Cronut. Was es dafür braucht? Eine Prise Mut im Teig. Dann werden Käsekuchen & Co. wieder zu dem, was sie eigentlich sein sollten: kleine kulinarische Liebeserklärungen an die Heimat.