Gestern habe ich mir einen kleinen Kindheitstraum erfüllt: Ich habe mir Clogs gekauft. Das mag für Außenstehende maximal lächerlich klingen, für mich war es aber ein großer Schritt. Ich erzähle euch, warum. In meinen Teeniejahren war ich mit meiner Mutter oft auf dem Stoffmarkt in den Niederlanden unterwegs. Nach unserem Streifzug war der Kofferraum ihres VWs randvoll. Mit Schätzen für sie und für mich. Ich hätte damals locker als Postergirl für Oilily durchgehen können. An einem heißen Junitag, nach einer eiskalten Cola und einem Pinocchio-Eis für mich, kamen wir noch an einem Schuhgeschäft vorbei. Und da standen sie: silberne Clogs. Während meine Mama gar nicht lange fackelte und ihre Geldbörse schon gezückt hatte, stand mir das Zögern ins Gesicht geschrieben: „Was werden die anderen denken?“ Mit meiner schlaksigen Statur, meiner Körpergröße, meiner blassen Haut und den rotblonden Haaren war es ohnehin schon nicht leicht für mich. Mit klobigen Holzschuhen an den Füßen würde ich mir keinen Gefallen tun. Also ließ ich sie stehen. An diese Schuhe habe ich seither immer wieder gedacht. Und an die Frage: Warum lassen wir uns eigentlich so verdammt viel von anderen verbieten? Mit 34 beschloss ich Anfang des Jahres dann ganz spontan, dass ich jetzt Clogs brauche. Es folgten falsche Größen, falsche Farben und der deprimierende Anblick eines ausrangierten, traurigen Paares vor meinem Rewe um die Ecke. Als ich die Suche schon fast aufgegeben hatte, passierte es. Da standen sie, in einem Trödelladen in Lüneburg. In meiner perfekten Farbe. Mit Nieten. Ungetragen. Für einen Preis, bei dem man nicht lange überlegt, sondern sofort die Karte zückt. Während ich den Text schreibe, trage ich die Clogs an meinen Füßen und freue mich wie verrückt. Warum ich euch diese Geschichte erzähle? Weil ich mir mit diesen Schuhen ein Stück jener Freiheit zurückgeholt habe, die ich mir damals verwehrt habe. Banal? Mag sein. Für mich ist das laute Klappern auf dem Asphalt jedoch der schönste Soundtrack meines neuen, kompromisslosen Selbstbewusstseins.