Fällt das gerade nur mir beim Scrollen auf? Mein Daumen wischt nach oben, dreimal, viermal, und plötzlich fühlt sich alles an wie ein Déjà-vu. Wenn ich mich so durch Instagram klicke, sehe ich eigentlich keine Menschen mehr. Ich sehe Einheitsbrei. Da sind Fotos von Kaffeetassen, über die in riesigen buttergelben Lettern Lebensweisheiten getippt wurden. Und da sind Reels mit demselben Song, der diese Woche verlässlich Reichweite garantiert. Nicht, weil ihn irgendwer beim Autofahren laut mitsingt, sondern weil er als harte Währung gilt. Und ich komme aus dem Gähnen nicht mehr heraus.
Früher war die App ein digitales Tagebuch. Wir haben Dinge gezeigt, weil wir sie lustig, schön oder absurd fanden. Wir haben die Bilder und Videos hochgeladen, ohne vorher dreimal die Ästhetik oder Hookability zu checken. Heute? Betritt man oft nur noch eine durchgestylte Kulisse. Alles hat einen Hook, alles will innerhalb von 1,5 Sekunden belehren, performen oder verkaufen. Das hat auch seine positiven Seiten. Ich habe so schon viel Nützliches, Interessantes und Besonderes entdeckt. Trotzdem hat jeder irgendwie sein eigenes Ding gemacht. Mittlerweile scheint es jedoch so, als ob ein Großteil die eigene Persönlichkeit gegen Canva-Schablonen, geliehene Skripte und erfolgversprechende Formeln eingetauscht hat. Wir posten nicht mehr das, was uns gerade bewegt, sondern das, was zieht. Weil Insta-Chef Adam Mosseri und sein Algorithmus uns subtil belohnen, wenn wir die Choreografie mitmachen, die gerade vorgegeben wird. Ich habe den Typen mittlerweile blockiert. Er nervt mich. Ich möchte das alles nicht. Auch mich als Journalistin und Content Creatorin setzt das, obwohl ich nicht möchte, unter Druck. Ich will nicht trendy und hooky sein. Ich will ich sein.
Aber wenn wir alle am Ende nur noch der einen Formel folgen, die gerade zieht, wo bleibt dann das, was uns wirklich ausmacht? Eine spontan aufgegriffene Ästhetik von der Canva-Stange (oder woher auch immer) ersetzt keine eigene Handschrift. Ein durchoptimierter Feed mit trendy Musik zeigt nicht, wer wir sind. Er zeigt nur, wie gut wir uns anpassen können. Wir sprechen nicht mehr in unserer eigenen Sprache, sondern in der der Plattform. Wir schauen anderen dabei zu, wie sie dieselbe Choreografie aufführen und verlernen dabei eigentlich immer mehr, nach unseren eigenen Regeln zu tanzen.
Vielleicht ist es Zeit für ein bisschen Ungehorsamkeit im Feed. Pfeif doch einfach mal auf den Trend-Sound, der diese Woche die Insta-Charts stürmt. Vergiss den perfekten Hook und diese überdimensionierten Wortfetzen. Ich will nicht mehr die hundertste Variante desselben Feeds sehen. Ich will wieder Menschen sehen. Mit ihren Geschichten, Facetten, Träumen und Gedanken. Unperfekt, eigenartig und echt. Poste das verregnete Foto, den wirren Gedanken, das Stück Alltag, das keinen Sinn ergibt. Warum auch nicht? Weil ein Ü40-Millionär und Unternehmer dir aus seinem New Yorker Loft sagt, was du auf seiner Plattform zu tun und zu lassen hast? Ich bitte dich. Sorry und: nein. Da bin ich raus. Es braucht ein bisschen Mut, im Zeitalter der Daueroptimierung wieder belanglos zu sein. Aber vielleicht ist genau das der Ausweg. Den trendigen Sound zum Schweigen zu bringen und die eigene Stimme wiederzufinden. Ein Feed, der dem Algorithmus gefällt, ist bloß ein gutes Imitat. Einer, der nach dir klingt, hat etwas, das kein Template ersetzen kann: Charakter.