John Galliano entwirft für Zara. Das ist kein Brückenschlag, keine Demokratisierung, nicht einmal ein kluger Schachzug – es ist der Moment, in dem die Mode endgültig zugibt, dass ihr Handwerk nur noch Kulisse ist.
Wenn ich an John Galliano denke, denke ich an Handwerkskunst in seiner reinsten und schönsten Form. Niemand (außer vielleicht Alexander McQueen) verstand es besser, Mode in tragbare Kunst zu übersetzen. Etwas, das Zeit, Geduld und Kreativität ausstrahlte. Von der Schuhspitze bis zum Reißverschluss. Seine Silhouetten waren keine Produkte, sie waren Erzählungen – oft überladen, manchmal größenwahnsinnig, aber stets durchdrungen von einer Idee von Handwerk, das mehr war als bloße Technik. Es war Haltung. Und genau diese Haltung wird nun in die Beschleunigungsmaschine eines globalen Fast-Fashion-Riesen eingespeist.
Zara ist Mode-Gegenwart in ihrer wohl brutalsten Form: sofort verfügbar, sofort verständlich, sofort ersetzbar. Hier wird nicht entworfen, hier wird reagiert. Trends sind keine Inspiration, sondern Rohstoff. Rohstoff für eine Brand, die jährlich etwa 39,9 Milliarden Euro Umsatz mit Wegwerfkleidung macht. Das System lebt davon, dass nichts bleibt. Außer der nächsten Kollektion, die schon auf dem Weg ist, während die aktuelle noch in den Umkleiden hängt. Was also passiert, wenn ein Designer wie Galliano auf eine Brand wie Zara trifft? Die naheliegende Antwort wäre: Demokratisierung. Große Ideen für viele, nicht nur für wenige. Doch dieses Argument wirkt inzwischen seltsam hohl. Was hier demokratisiert wird, ist nicht das Handwerk, sondern seine Oberfläche. Die Stickerei wird zum Print, die Konstruktion zur Illusion, die Geschichte zum Wegwerfprodukt. Es ist eine Art ästhetischer Extrakt, der am Ende übrig bleibt. Verdünnt, reproduzierbar, kompatibel mit Lieferketten. H&M verfolgt dieses Konzept mit seinen Designerkollektionen bereits seit 2004. Mit unglaublich gutem Erfolg. Ich kann mich noch daran erinnern, wie sich die Frauen und Männer die Kollektion von Isabel Marant im Store aus den Händen gerissen haben. Verwunderlich? Nein. Designermode weckt auch heute noch Begehrlichkeit wie kaum etwas anderes. So oder so ähnlich wie bei Isabel Marant, Balmain oder Mugler wird es vermutlich auch mit der Kollektion von John Galliano laufen. Galliano liefert die Aura, Zara die Infrastruktur. Zusammen entsteht ein Produkt, das aussieht, als hätte es Bedeutung, ohne sich die Mühe zu machen, tatsächlich eine zu entwickeln. Welchen Beitrag die sogenannten Zara-Archive in dieser Kooperation leisten sollen, ist mir übrigens noch ein absolutes Rätsel.
Man könnte das zynisch nennen. Oder konsequent. Denn vielleicht ist diese Kollaboration weniger ein Bruch als eine logische Fortsetzung. Auch wenn ich das natürlich ungern zugeben möchte. Die Luxusmode selbst hat in den letzten Jahren viel dafür getan, ihre eigene Grundlage zu untergraben. Wenn Haute Couture zur Content-Maschine wird, wenn Runways für TikTok choreografiert werden, wenn Kollektionen im Monatsrhythmus erscheinen und zum Teil aus immer billigeren Materialien bestehen – wie groß ist dann noch der Unterschied zur Fast Fashion?
Vielleicht ist Gallianos Schritt gar kein Abstieg, sondern ein Eingeständnis: dass das System, das ihn einst hervorgebracht hat, längst ein anderes geworden ist. Und doch bleibt ein Unbehagen. Mit jeder Zusammenarbeit, die die Grenzen zwischen Fast Fashion und Handwerkskunst weiter verwischt, verschiebt sich etwas. Die Idee von Mode als Handwerk, als etwas, das Zeit, Können und Hingabe erfordert, wird weiter ausgehöhlt. Nicht abrupt, sondern in kleinen, gut designten Schritten. Der Tod der Handwerkskunst kommt nicht als Katastrophe. Er kommt als Kollektion. Und er verkauft sich gut. Und das ist doch, was am Ende wirklich zählt, oder Herr Maceiras? Sie als ZARA-CEO werden es bestimmt am besten wissen.
Sind wir wirklich machtlos – oder fehlt uns nur der Mut zur Konsequenz?
Früher bedeutete Protest: auf die Straße gehen, Gesicht zeigen, sichtbar sein. Heute scrollen wir, teilen Screenshots, empören uns kurz im Kollektiv und ein paar Stunden später ist alles schon wieder vergessen. Da ist Wut, aber auch viel Ohnmacht. Und die Frage: Sind wir wirklich so machtlos, wie wir glauben?
Was wir aktuell auf dieser Welt erleben, ist viel. Zu viel. Auch für mich. Eigentlich bin ich ein sehr positiver Mensch, der wirklich selten den Mut verliert. Aber: Die Weltlage raubt mir meine Energie. Und sie nimmt mir ein Stück weit auch die Hoffnung. Epstein Files, Merz-Misere, Welthunger, Inflation, Iran-Krieg, Trampeltier-Trump, Care-Arbeit, steigende Mieten, niedrige Löhne. All das führt einem tagtäglich knallhart vor Augen, wie viele Baustellen wir eigentlich noch zu beackern haben. Und während Politiker:innen diese scheinbar nicht in den Griff bekommen (wollen), können wir nur tatenlos zusehen. So scheint es jedenfalls. Ein Trugschluss.
Unsere Entscheidungen sind stärker als jedes Protestplakat
Wir gehen nicht mehr demonstrieren. Das ist Fakt. Oder zu wenig. Auch das ist Fakt. Nicht, weil uns die Welt gleichgültig ist, sondern weil wir den Mut verloren haben. Wir spüren die Wut, die Ungerechtigkeit, das Unrecht – und trotzdem bleiben wir lieber daheim. Die Ohnmacht sitzt so tief, dass schon bei dem Gedanken, etwas ändern zu können, bei vielen eine leise Müdigkeit einsetzt. Daran könnte man sich jetzt zum 100. Mal hochziehen und das 100. Reel und den 200. dazu Post teilen. Oder man legt das Smartphone aus der Hand und handelt. Denn eigentlich sind wir gar nicht so machtlos, wie wir denken. Unsere Stimme hat sich in den letzten Jahren nur ein wenig gewandelt.
Machtdemonstration geht heute über die klassische Demonstration und bloßen Wahlkampf hinaus. Was viele vergessen: Mit jeder Suche, jedem Like und jedem Videoklick nähren wir ein System, das ohne unsere Beteiligung nicht existieren würde. Doch nicht nur unsere Klicks zählen. Auch unsere Kaufentscheidungen tun es. Alles, was wir kaufen, spricht. Die Produkte, die wir im Supermarkt in den Warenkorb legen, die Kleidung, die wir wählen, die Technik, die wir nutzen, die Apps auf unserem Smartphone – alles ist ein verstecktes politisches Signal. Wir unterstützen damit Unternehmen, die Macht haben, Debatten zu formen, Märkte zu dominieren und Menschen zu beeinflussen. Mit jedem Kauf, jeder Anmeldung und jedem Like bestätigen wir nicht nur Algorithmen, wir bestätigen Machtstrukturen. Das Merkwürdige daran: Die Unternehmen und Persönlichkeiten, die wir mit all unseren Entscheidungen unterstützen, nutzen ihre Macht oft ohne Rechenschaftspflicht, ohne demokratische Kontrolle und ohne Konsequenzen für ihr Fehlverhalten. Sollten wir das tolerieren? Ich glaube nicht. Alles, was wir auswählen, signalisiert: Hier unterstütze ich, dort entziehe ich meine Stimme. Jede Kaufentscheidung ist ein kleiner, aber sehr wirkungsvoller politischer Akt.
Was passiert, wenn wir fehlen?
Stell dir vor, Millionen Menschen würden ihre Abos kündigen – und gleichzeitig ihre Konsumgewohnheiten überdenken: kein Prime-Abo, keine achtlosen Onlinekäufe mehr, die das Konto eines geld- und machtsüchtigen Amerikaners mit schlechter Haarstruktur füttern. Kein Streaming, das KI-Musik fördert und Projekte finanziert, die menschenverachtend sind. Wie läuft es eigentlich mit den Rüstungsinvestitionen, Herr Ek? Und dann wären da auch noch Lieblinge wie H&M und Zara, die erschwingliche Mode zu menschenunwürdigen Bedingungen anbieten. Börsenkurse würden fallen, Algorithmen ins Leere laufen und die alten weißen Männer vermutlich ziemlich blöd aus der Wäsche schauen, wenn sie sich plötzlich nicht mehr die 10. oder 20. Immobilie kaufen können. Abwesenheit ist ein Signal, Weglassen ist Macht. In einer Welt, in der Daten und Geld die neuen Währungen sind, ist bewusster Verzicht die lauteste Form der Kritik.
Unsere Stimme ist größer, als wir denken
Ich wünsche mir, dass wir unsere Entscheidungen wieder bewusster treffen. So, wie wir im Supermarkt lieber das Bio-Hähnchen statt die Qualzucht wählen. So, wie wir Freunde wählen, die uns bereichern, statt uns auszusaugen. Oder dem Obstkorb-Job die kalte Schulter zeigen und stattdessen etwas suchen, das uns wirklich weiterbringt. So, wie wir diese Entscheidungen im Kleinen treffen, sollten wir sie auch im Großen treffen – bei den Plattformen, Marken und Unternehmen, denen wir jeden Tag unsere Klicks, Daten und unser Geld schenken. Welche Plattformen unterstützen wir? Wessen Narrative bestätigen wir? Wessen Regeln akzeptieren wir nur, weil wir es gewohnt sind? Anfangs mag das genaue Hinsehen ganz schön anstrengend sein. Doch es lohnt sich. Denn unsere Stimme ist größer, als wir denken. Macht zeigt sich nicht nur darin, was wir tun. Sie zeigt sich auch darin, was wir plötzlich nicht mehr tun.
Können wir echte Wohnungen bitte wieder salonfähig machen?
Foto: Stillleben mit Senftopf von Henri Fantin-Latour /Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon
Ist hier jemand zu Hause? Diese Frage stelle ich mir momentan ständig. Denn irgendwo zwischen Weiß, Beige und perfekter Symmetrie verschwindet immer öfter etwas, das früher selbstverständlich war: das Gefühl, zu Hause zu sein.
Ich schaue mir eine Homestory auf YouTube an. Das Sofa sieht aus, als hätte noch nie jemand darauf gesessen. Auf dem Couchtisch liegt ein Bildband, halb aufgefächert, daneben eine Kerze, die zwar angezündet werden könnte, es aber vermutlich nie wird. Der Teppich, auf dem sich all das abspielt, ist ein flauschiges Stück Papier. Irgendwie ganz schick. Gleichzeitig denke ich: Wo ist hier das Leben? Früher waren Wohnungen Bühnen des Alltags. Heute wirken sie wie die Dauerleihgabe aus einem Showroom. Selbst der Katalog von IKEA hat inzwischen mehr Mut zu Persönlichkeit als viele echte Wohnzimmer, Schlafzimmer, Esszimmer oder Küchen. Wie konnte das passieren?
Die Wohnung als charakterlose Bühne
Wann haben wir eigentlich beschlossen, dass unser Zuhause vor allem eines sein soll: vorzeigbar? Der Esstisch ist keine Ablagefläche mehr für Post, Schlüssel und Einkaufszettel. Er ist ein kuratierter Altar, auf dem maximal noch Kerzen in unterschiedlichen Höhen und eine Vase mit perfekt arrangierten Blumen Platz finden. Ein Stillleben, das möglichst niemand berühren soll. Kein Teller mit Brotkrümeln, kein Glas vom Vorabend, keine halb angeschnittene Zitrone im Obstkorb. Nichts davon stört das Pinterest-Bild. Der Raum erzählt viel über minimalistisches Stilgefühl, aber nichts über den Menschen selbst. Wonach ich mich aktuell wieder sehne? Nach dem Sessel im Schlafzimmer, der als inoffizieller Kleiderschrank dient, nach dem Wäscheständer als Dauergast, nach dem Küchentisch, auf dem sich der Alltag stapeln darf. Und damit ist nicht nur der Haustürschlüssel gemeint. Auch die Speisekarte vom Chinesen aus der Nachbarschaft oder der Wochenprospekt vom Rewe haben ihre Daseinsberechtigung. Ebenso wie das Regal im Wohnzimmer, das keinem Farbkonzept folgt, sondern lauter kleine Geschichten aus unserem Leben erzählt. Die Eintrittskarte vom letzten Konzert der Arctic Monkeys tummelt sich dort, leicht geknickt, weil sie erst noch in der Jackentasche vergessen wurde. Die ulkige Keramikfigur vom Flohmarkt, die eigentlich niemand brauchte, aber trotzdem geblieben ist. Das gerahmte Bild von der Nichte, dessen Farben sich langsam verabschieden. Genau dort, zwischen Flohmarktfund und Reweprospekt, beginnt so etwas wie Zuhause.
Ob die sterile Ästhetik ein Zeichen von Geschmack ist? Schwer zu sagen, wenn die Individualität vor der Tür warten muss. Eher noch scheint sie Ausdruck eines sehr zeitgemäßen Anspruchs zu sein: alles richtig aussehen zu lassen. Wir leben in einer Zeit, in der es für alles eine perfekte Vorlage zu geben scheint. Für Morgenroutinen, Gesichter, Körper, Beziehungen, Sport. Und eben auch für Wohnungen. Man weiß inzwischen ziemlich genau, wie ein „guter“ Raum aussieht. Ruhige Farben sind ein Muss, klare Linien auch. So eine „perfekte“ Wohnung vermittelt Sicherheit. Man passt damit ins große Ganze. Aber sie zeigt selten den wahren Menschen.
Wohnst du noch oder performst du schon?
Für mich fühlt sich all das nur noch so an, als würden wir nicht mehr wohnen, sondern nur noch inszenieren. Wir zeigen nur, dass wir dort wohnen könnten. Das Leben auf einer Bühne, wenn man so will. Wie soll so eine Wohnung zum Wohlfühlen einladen, wenn sie frei von Brüchen und Persönlichkeit ist? Genau dort beginnt doch Charakter. In dem Stuhl vom Flohmarkt, der eigentlich „nicht passt“, in dem Bücherregal, das überquillt, weil man sich nicht zwischen Ästhetik und Neugier entscheiden wollte. In dem Flur, in dem Schuhe stehen, weil Menschen kommen und gehen. Oder ist dieses Herausgeputzte vielleicht Ausdruck von etwas ganz anderem? Vielleicht ist es der Versuch, die Welt draußen in Schach zu halten, indem wir drinnen alles ordnen – jedes Kissen, jede Kerze, jedes Staubkorn. Wir kontrollieren jeden Quadratzentimeter, während das Leben selbst immer unberechenbarer wird. Aber je glatter die Räume, desto fremder fühlen wir uns darin. So geht es mir jedenfalls. Denn Kontrolle ersetzt nicht das, was ein Zuhause wirklich ausmacht: Lebensgeschichte.
Das Zuhause ist zum Leben da
Ich möchte wieder Wohnungen betreten, die lebendig sind. Ich möchte sehen, dass zwischen Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer etwas passiert. Dass diskutiert, gearbeitet, gegessen und geweint, einfach gelebt wird. Dass der Esstisch benutzt wird und nicht nur hingestellt wurde, um den Eindruck zu erwecken. Und ja: Wenn es sein muss, dürfen es sich gerne auch wieder ein paar Wollmäuse in den Ecken bequem machen. Hauptsache, es kommt wieder Leben in die Bude.
Ich möchte jetzt keine Unordnung glorifizieren. Und nein, Beige, Weiß & Co. möchte ich natürlich auch nicht kollektiv verbannen. Es geht um etwas anderes: Menschlichkeit. Ein Zuhause ist kein Katalog. Es ist eine Momentaufnahme unseres Lebens. Mit all seinen Kuriositäten, Ecken und Kanten, die es menschlich machen. Während ich das schreibe, stapeln sich bei mir übrigens die Pakete im Flur, meine Kaffeetasse ist voller Lippenstift, der Frühstücksteller steht noch herum und meine Katze hat es sich auf der zerfledderten Zeitung auf dem Boden gemütlich gemacht. Mein Zuhause ist zum Leben da.
Damit wieder etwas mehr Leben in die eigenen vier Wände kommt, braucht es übrigens kein Makeover. Nur eine kleine, aber bewusste Entscheidung: Heute räume ich nicht alles weg. Heute darf man sehen, dass ich hier lebe. Und vielleicht fühlt sich genau das wieder ein wenig mehr nach Zuhause an.
Herr Merz, wie fühlt es sich an, gegen Frauenrechte zu stimmen – und sie am 8. März zu feiern?
Foto: Andrew W. Mellon Collection/National Gallery of Art
Sehr geehrter Herr Merz,
haben Sie sich Ihre Worte zum Weltfrauentag schon zurechtgelegt? Der Tag, an dem Politiker betonen, Frauen seien „unverzichtbar für unsere Gesellschaft“. Das sind wir. Nur behandeln Sie uns nicht so. Wir brauchen keinen Weltfrauentag, an dem Sie uns erklären, wie wertvoll Frauen für dieses Land sind. Wir wissen das längst. Wir brauchen keinen symbolischen Applaus oder Blumen. Schon gar nicht brauchen wir Ihre falsche Empathie, nachdem Sie jahrelang gegen zentrale Fortschritte weiblicher Selbstbestimmung gestimmt haben. Was wir brauchen, ist politische Konsequenz. Jetzt und nicht irgendwann.
Bevor also wieder Blumen verteilt und „starke Frauen“ instrumentalisiert werden, stelle ich einfach mal direkt die entscheidende Frage: Für welche Frauen machen Sie eigentlich Politik? Für echte Frauen oder eine theoretische, anpassungsfähige Wunsch-Version, die brav in Ihre Machtstrukturen passt? Denn ich kann mich in dem, was Sie von sich geben, nicht wiedererkennen. Ob das die 43 Millionen Frauen in diesem Land auch so sehen? Überraschen würde es mich nicht.
Leben ist kein Luxus – wir haben ein Recht darauf
Sie sprechen unheimlich gerne von Leistung, von Eigenverantwortung, vom Leistungsprinzip als moralischem Fundament dieses Landes. Aber für viele Frauen bedeutet dieses Prinzip vor allem eines: Dauerbelastung. Nicht an einem Tag in der Woche, sondern 24/7. Frauen arbeiten. Bezahlt. Unbezahlt. Emotional. Organisatorisch. Körperlich. Sie tragen den sogenannten „Mental Load“, der in keiner volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auftaucht, aber dieses Land stabilisiert. Sie halten Familien zusammen, pflegen Angehörige, koordinieren den Alltag, schließen Betreuungslücken, gleichen strukturelle Defizite aus.
Falls es Ihnen zwischen Sätzen wie „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“ oder „Wir alle müssen aufpassen, dass wir vor lauter Work-Life-Balance nicht die Arbeit aus dem Blick verlieren“ bisher noch nicht aufgefallen ist: Wir leisten bereits eine Menge. Nur wird nicht alles, was wir leisten, als Leistung anerkannt. Wissen Sie, was ich besonders amüsant finde? Nach alledem wird von uns auch noch erwartet, dass wir leistungsbereit bleiben. Flexibel, belastbar unddankbar bitte auch. Und wenn bei alledem noch ein wenig Zeit bleibt – nach Lohnarbeit, dem Erklimmen der Karriereleiter, Care-Arbeit, Mental Load und gesellschaftlicher Erwartungshaltung –, erlauben wir uns vielleicht ein Stück vom Leben: Sport, Zeit mit Freundinnen verbringen, Kino, ein Buch lesen.
Und wissen Sie was? Das ist kein Luxus. Das ist ein Minimum.
Das. Ist. Leben.
Es ist nicht dekadent, sich nach Genuss und Selbstverwirklichung zu sehnen – es ist menschlich. Denn: Wir wollen nicht nur funktionieren und Ihnen mit unseren Steuergeldern ein möglichst bequemes Leben im Privatjet finanzieren. Auch wir wollen ein wenig leben.
Bei all der (Care-)Arbeit, die wir selbstverständlich und strukturell unterbezahlt leisten, ist es ja wohl das Mindeste, dass wir auch ein bisschen Lifestyle-Freizeit genießen möchten. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Rechtfertigung, ohne das Gefühl, noch mehr beitragen zu müssen, nur damit Sie ruhig schlafen können. Denn arbeiten, das tun wir zur Genüge. Sollte es Ihnen in Ihrem Büro jedoch an Arbeit mangeln oder gar Langeweile aufkommen, schauen Sie doch einfach mal bei uns vorbei: Bei den Frauen, die nach einem langen Arbeitstag ihre Kinder versorgen, bei der Ehefrau, die ihren pflegebedürftigen Partner umsorgt, bei der Tochter, die sich um die Großmutter kümmert, weil sie nicht weiß, wie lange sie diese noch hat. Diese Frauen arbeiten doppelt, dreifach, unsichtbar – und werden dafür weder bezahlt noch gefeiert. Sie halten Familien, Haushalte und Gesellschaft am Laufen, während politische Strukturen sie weiterhin ignorieren.
Die Vorstellung, Frauen sollten aus volkswirtschaftlicher Vernunft oder moralischer Pflicht noch ein bisschen länger funktionieren, noch ein bisschen härter arbeiten, noch ein bisschen selbstloser sein, macht mich wütend. Und soll ich Ihnen noch etwas sagen? Meine Motivation, auch nur eine Sekunde länger für eine Politik zu funktionieren, die strukturelle Ungleichheit fördert? Hält sich ziemlich in Grenzen.
Zukunft? Entscheidet sich nicht in Imagekampagnen
Gleichstellung ist kein Nischenthema urbaner Milieus. Sie ist eine Frage demokratischer Substanz. Ein Parlament, das Frauen nicht selbstverständlich zur Hälfte repräsentiert, bildet Realität nicht ab. Eine Wirtschaft, die Care-Arbeit externalisiert, ist nicht leistungsorientiert – sie ist blind.
Und dann ist da die Zukunft.
Die Zukunft der Frau in diesem Land entscheidet sich nicht in Imagekampagnen, sondern in Gesetzestexten. Sie entscheidet sich bei der Frage, ob reproduktive Selbstbestimmung konsequent geschützt wird. Ob Altersarmut von Frauen politisch bekämpft wird. Ob Gewaltschutz priorisiert wird. Ob Macht geteilt wird – wirklich geteilt.
Ist Ihnen all das schon zu viel? Willkommen in unserer Realität! Und falls Sie noch mal eine kleine Erinnerung brauchen: All diese Themen sind nicht bloße Leitplanken des gesellschaftlichen Diskurses, sie sind Grundpfeiler persönlicher Freiheit. Aber davon verstehen Sie vermutlich nicht allzu viel. Denn:
Sie haben sich gegen die längst fällige Reform des § 218 gestellt. Trotz klarer Mehrheiten in der Bevölkerung und sogar in den eigenen Reihen. Damit verweigern Sie Frauen grundsätzliche Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Körper.
Sie standen 2006 gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Ein Gesetz, das Diskriminierung am Arbeitsplatz begrenzen sollte.
Sie stimmten 1997 gegen den Schutz vor Vergewaltigung in der Ehe. Ausgerechnet in einem Bereich, wo feministische Politik seit Jahrzehnten um Rechtslage und gesellschaftliche Anerkennung kämpft.
Sie sagen offen, Sie möchten Ihr Kabinett nicht zur Hälfte mit Frauen besetzen. Weil Frauen nicht gleichwertig, sondern eine „krasse Fehlbesetzung sind“.
Diese Entscheidungen sind keine Kleinigkeiten. Sie sind ein Spiegel dessen, wie Sie und Ihre Politik Frauen sieht: Als Randinteressen, die man bestenfalls „berücksichtigt“, wenn es nicht zu unbequem oder hysterisch wird.
Politische Verantwortung darf kein Nebensatz bleiben
Sie mögen Chancengerechtigkeit als wirtschaftlichen Vorteil verkaufen wollen, das mögen Sie sogar ernst meinen. Aber Gleichstellung ist mehr als ein Standortargument. Sie ist die Antwort auf Gewalt, auf strukturelle Ungleichheit, auf Lebenszeit- und Karrierebarrikaden, die Frauen immer noch häufiger als Männern im Weg stehen.
Und ja: Frauen müssen sich gegenseitig unterstützen, Netzwerke bilden und strategisch handeln. Wer, wenn nicht wir? Doch das entbindet politische Führung nicht von ihrer Verantwortung, strukturelle Bedingungen zu verändern, Machtverhältnisse sichtbar zu machen und echte Parität durchzusetzen. Und zwar nicht nur im Nebensatz von Sonntagsreden, sondern in parlamentarischen Entscheidungen, Haushaltsentscheidungen, Rechtsreformen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Jetzt wird es ziemlich ungemütlich, oder? Ich bin aber noch lange nicht fertig. Es ist höchste Zeit, dass Politik Frauen nicht als Problem sieht. Wir wollen als gleichwertige Stimme, als gestaltende Kraft, als selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen werden. Frauen sind keine Zielgruppe für rhetorische Inszenierungen am 8. März. Wir sind die Hälfte dieser Gesellschaft. Unsere Rechte und Chancen sind kein politisches Entgegenkommen, das nach Belieben gewährt oder verweigert werden kann.
Wie wäre es mit weniger Applaus und mehr Taten?
Es wäre ein starkes, mutiges und notwendiges Signal, wenn Sie an diesem Weltfrauentag keine Selbstbeweihräucherung halten, sondern konkrete, selbstkritische Maßnahmen vorlegen: Echte Gleichstellung, eine gesetzliche Entlastung bei Care-Arbeit, Investitionen in Schutzinfrastrukturen, finanzielle Absicherung von Selbstbestimmung und körperlicher Autonomie. Brauchen Sie noch mehr Ideen? Wir helfen Ihnen gerne. Denn darin sind wir Frauen ja so gut. Und da wären wir wieder beim Thema Care-Arbeit.
Eine moderne Demokratie misst sich nicht daran, wie belastbar Frauen sind. Sie misst sich daran, wie gerecht sie Verantwortung verteilt. Frauen sind keine unbezahlte Ressource. Keine Kompensationsinstanz für politische Versäumnisse. Keine moralische Reserve.
Wir sind Bürgerinnen. Steuerzahlerinnen. Wählerinnen. Entscheidungsträgerinnen. Vor allem aber sind wir: Menschen.
Und wir wollen keinen Applaus mehr dafür, dass wir ein kaputtes System am Laufen halten, indem wir Versäumnisse der Politik ausgleichen.
Wir wollen ökonomische Unabhängigkeit. Wir wollen politische Repräsentation. Wir wollen Schutz vor Gewalt. Wir wollen Selbstbestimmung über unsere Körper. Und ja, wir wollen Zeit für uns selbst, ohne das Gefühl, uns diese Zeit erst verdienen zu müssen.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Frauen leistungsfähig genug sind. Die Frage lautet, ob es Ihre Politik ist.
Demnas Gucci-Debüt: Viel Lärm um wenig Vision
Als Tom Ford Mitte der 90er Gucci neu definierte, tat er vor allem eines: Er weckte Begehrlichkeit bis in die letzte Pore. Seine Gucci-Frau war kühl, sexuell aufgeladen, selbstbewusst – und vor allem unverwechselbar. Noch heute, fast 22 Jahre nach seiner letzten Kollektion für das Haus, erzielen seine Entwürfe auf Plattformen wie Resee oder Vestiaire Collective Höchstpreise. Sie sind begehrte Sammlerstücke, Zeitdokumente, Ikonen. Was man von Demnas erstem Gucci-Auftritt kaum behaupten kann.
Copy-Paste-Entwürfe zum Couture-Preis
Das Debüt war weniger ein Befreiungsschlag als ein Echo. Ein Versuch, der – mit Ausnahme von Kate Moss im G-String als kalkuliertem Highlight – erstaunlich nichtssagend blieb. Wo war die neue Vision? Wo die klare Handschrift für ein Haus, das einst für radikale Neudefinition stand? Die omnipräsente Referenz zur Berliner Clubkultur wirkt inzwischen ermüdend. Was vor Jahren noch subversiv erschien, fühlt sich heute wie ein Dauerloop an. Stretch-Minikleider, übergroße Sonnenbrillen, knallenge Hosen, die wie Strumpfhosen anmuten. Auch der Schluss ist vorhersehbar: Glitzernde Kleider, die mal mehr, mal weniger Haut zeigen und an den einstigen Glanz von Tom Ford anknüpfen sollen. Irgendwo zwischen Upper East Side und Berliner Technoclub verortet. Und dann wären da (Überraschung!) natürlich auch noch die Blumenprint-Kleider im ironischen Oma-Look, die man in Variationen bereits unzählige Male bei Vetements gesehen hat. Alles in allem Silhouetten, die ebenso gut bei Zara hängen könnten – nur ohne das vierstellige Preisschild.
Eine Wiederholung der Wiederholung
Demna verlässt sich bei seinem Debüt auf Codes, die er selbst längst etabliert hat – Oversize, Ironie, Trash-Appeal als Luxuskommentar. Man kennt es. Doch bei Gucci hätte es mehr gebraucht als Selbstzitat. Mehr als kalkulierte Provokation. Mehr als Styling-Gags. Alessandro Michele hatte eine Vision. Unter ihm entstand eine völlig neue Welt: überbordend, maximalistisch, manchmal exzentrisch, aber stets kohärent. Man konnte eintauchen, staunen, diskutieren. Es war Eskapismus mit intellektuellem Unterbau. Demnas Gucci-Debüt hingegen wirkt wie ein Remix ohne neuen Beat. Laut, aber nicht neu. Dekorativ, aber nicht begehrenswert. Und Begehrlichkeit ist – bei aller Ironie – am Ende das Einzige, was im Luxus wirklich zählt.
Ob die Verkaufszahlen im Store eine andere Sprache sprechen werden, bleibt abzuwarten. Da wären ja auch noch Zara, H&M, Bershka & Co. Wenn Mode Geschichte schreiben will, reichen Kate Moss, hautenge Kleidchen und verwischtes Make-up nicht aus. Es braucht eine Vision. Und genau die bleibt hier überraschend unscharf.
Warum sind gerade alle so obsessed mit Carolyn Bessette-Kennedy?
Man könnte meinen, es sei nur ein weiteres Neunzigerjahre-Revival, noch so eine Pinterest-Moodboard-Welle oder schlichtweg der Insta-Algorithmus, der gerade vermehrt alte Bilder in unsere Feeds spült. Und doch ist es mehr als das. Denn ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in der alles nach Aufmerksamkeit schreit, richtet sich der Blick auf eine Frau, die genau das nie tat: Carolyn Bessette-Kennedy.
Es ist kein Zufall, dass die Ehefrau von John F. Kennedy, Jr. gerade wieder als Stilikone auf unseren Bildschirmen auftaucht und für ihre Looks gefeiert wird. In einer Welt aus Push-Nachrichten, immer neuen Herausforderungen, KI-Hypes, Filtern und Dauerempörung wirkt sie wie der perfekte Gegenentwurf: ruhig, klar, unaufgeregt und authentisch. Der Look im schwarzen V-Neck-Pullover, dem camelfarbenen Pencil Skirt und den braunen Stiefeletten? Legendär. Das blonde Haar zum nonchalanten Pferdeschwanz gebunden, der Blick entzogen. Kein Lächeln für die Kamera, kein sichtbares Bemühen um Wirkung – und doch bleibt alles hängen. In einem Zeitalter, in dem alles schrill, schnell und digital ist, entsteht durch diese Zurückhaltung eine eigentümliche Kraft, der wir uns nur schwer entziehen können. Aber warum eigentlich? Einige werden jetzt vermutlich sagen, die Garderobe von Carolyn Bessette-Kennedy sei doch nichts Besonderes, fast schon langweilig und ausdruckslos. Wer genau hinschaut, wird feststellen: Der Stil der 33-Jährigen folgt einer Ästhetik, die nicht täglich neu erfunden werden muss. Und genau darin liegt ihre zeitlose Anziehungskraft, die auch heute noch so gut wie damals funktioniert.
Leise statt laut – ein Gegenentwurf zur Überforderung
Dass die Serie „Love Story: John F. Kennedy & Carolyn Bessette-Kennedy“ die Bilder wieder verstärkt in Umlauf bringt, ist fast nebensächlich. Sie liefert den Anlass, ja – doch die Faszination liegt woanders. Und zwar in der stillen Kraft eines Stils, der reduziert, konsequent und zeitlos wirkt. Gerade Mäntel, schmale Sonnenbrillen, neutrale Farben, kaum Schmuck. Keine Logos. Keine Trends, die in drei Wochen wieder verschwinden. Was heute als „Quiet Luxury“ bezeichnet wird, war bei ihr kein Konzept, sondern Haltung. Kleidung als Selbstverständlichkeit, nicht als Statement. In einer Epoche, in der Trends über TikTok beschleunigt werden und „Core“-Ästhetiken im Wochentakt entstehen, wirkt diese Konsequenz wie Widerstand. Wer sich heute auf solche Klassiker besinnt, verweigert sich dem Zwang, permanent Neues zu konsumieren – und schlechte Mode gleich dazu.
Es geht nicht mehr um den nächsten Fast-Fashion-Find, um das virale It-Piece, das nach zwei Waschgängen aus der Form gerät, sondern um Evergreens: den gut geschnittenen Wollmantel, die perfekt sitzende schwarze Hose, die Ledertasche, die Patina entwickeln darf. Dinge, die bleiben. Vielleicht ist das die eigentliche Obsession, die Sehnsucht nach Dauer in einer flüchtigen Welt. Carolyn Bessette-Kennedy war nie dazu da, Trends zu setzen oder Aufmerksamkeit zu inszenieren. Sie lebte ihren Stil still und konsequent – die Blicke der Paparazzi, die Schlagzeilen der Zeitschriften oder Tageszeitungen bestimmten nicht, wie sie sich kleidete oder wie sie sich gab. Während viele Influencer jeden Moment kuratieren und Authentizität oft zur Strategie wird, wirkt ihr Stil umso glaubwürdiger.
Stil als Sicherheitsversprechen
Vertrautes gibt Sicherheit, auch in der Mode. Ein klarer Schnitt, eine monochrome Silhouette, ein wiederkehrendes Outfit – all das schafft Ordnung im Außen, wenn das Innen oder die Welt da draußen unruhig wird. Psychologisch ist das nicht überraschend. Wer in unsicheren Zeiten lebt, der sucht bewusst nach Konstanten. Manche finden sie in Routinen, andere in Ritualen. Und wieder andere im Kleiderschrank. Carolyn Bessette-Kennedys Stil funktioniert wie ein visuelles Sicherheitsversprechen: Wenn ich mich an das Bewährte halte, gerät nicht alles ins Wanken. Ein zeitloser Pullover aus weicher Kaschmirwolle schenkt einem doch sofort dieses leise, wohlig-warme Gefühl von Geborgenheit. Das synthetische Pendant hingegen? Reine Dystopie, bis in die letzte Faser.
Die Fantasie von leichteren, analogen Zeiten
Wer heute Bilder von Bessette-Kennedy und John F. Kennedy, Jr. ansieht, aufgenommen auf Film, leicht unscharf, mit Körnung statt Filter, blickt nicht nur auf Mode. Ein weiterer Grund, warum die 33-Jährige gerade überall ist, liegt in der Nostalgie. Man blickt auf eine Zeit, die im Rückspiegel einfacher erscheint und dadurch auch heute, über 30 Jahre später, nicht an Reiz verloren hat: Prä-Smartphone, Prä-Instagram, Prä-Dauervergleich. Natürlich war auch die Welt der Neunziger nicht unschuldig oder unbeschwert. Der Heroin Chic hat seine Spuren hinterlassen. Sichtbare wie unsichtbare. Aber sie war analoger, privater und langsamer. Genau diese Langsamkeit ist es, die heute fast utopisch wirkt. Die Nostalgie, die sich um ihre Figur legt, ist deshalb mehr als eine Modebewegung. Sie ist eine Projektion: die Hoffnung, man könne durch eine weiße Baumwollbluse oder ein zartes Slip Dress auch ein Stück jener Ruhe zurückholen, die damals vermeintlich selbstverständlich war. Mode wird hier zur Zeitmaschine, auf der Suche nach einer leichteren, weniger schnellen Welt.
Zwischen Eskapismus und Haltung
Man könnte diese neue Carolyn-Welle als Eskapismus abtun. Als romantisierte Rückschau auf eine Welt, die so nie existiert hat und auch nie wieder existieren wird. Und ja, Nostalgie verklärt. Sollten wir aufwachen? Nein. Vielleicht steckt darin auch eine kluge Bewegung: Weg von der Wegwerfmentalität, hin zu Beständigkeit. Weg von Impulskäufen, hin zum überlegten Behalten. Weg vom Scrollen, hin zu einem analogeren Lebensstil. Wenn heute wieder mehr Menschen auf zeitlose Schnitte setzen, auf Qualität statt Quantität, dann ist das nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch. Eine leise Absage an die Beschleunigung. Und so ist die aktuelle Obsession mit Carolyn Bessette-Kennedy weniger Personenkult als Zeitdiagnose.
Wie Gisèle Pelicot das Ende einer Ära einläutet, die Frauen kleinhalten wollte
Noch bevor Gisèle Pelicot ein Wort sagt, bricht Applaus los. Minutenlang. Ich blicke in Gesichter voller Bewunderung, Zuversicht, Hoffnung und Stolz. Stolz auf eine Frau, die nicht eingeknickt ist, nicht geschwiegen hat – obwohl das System sie genau dort sehen wollte.
Gisèle Pelicot erzählt an diesem Abend von Momenten, die einen in den Grundfesten erschüttern. Von den durchbohrenden Blicken der Angeklagten und ihrer Verteidiger, die voller Wut, Verachtung und Empörung waren. Nicht, weil sie sich ihrer Schuld bewusst waren, sondern weil ihr Plan scheiterte: Ein Opfer als Opfer abzustempeln. Als Exhibitionistin, eine, die es am Ende sogar noch wollte. Die Sexszenen in den Videos und die Fotos waren schließlich Beweis genug. Eine, die am Ende wieder nur eine Szene macht: eine Frau. Sie alle wollten Gisèle Pelicot am Boden sehen, sie in eine Rolle pressen, die ihnen aus ihrer Sicht bequemer erschien als die Wahrheit. Pelicot? Gab keinen Zentimeter nach: „Als Opfer ist man automatisch schuldig“, sagt sie. „Man hat mir alles Mögliche unterstellen wollen. Ich aber habe ihnen die Stirn geboten. Und diese Entscheidung habe ich nie bereut.“
Opfer müssen klein, beschämt und unsichtbar bleiben
Ich bin mir sicher, dass Pelicot während des Prozesses mehrere Momente erlebte, in denen Aufgeben verlockender erschien als Aufstehen. Sie blieb trotzdem standhaft. Und erstaunlich ruhig. Genau diese Ruhe machte Pelicot gefährlich – für ein System, das die brave Frau in Rollen zwängt, die sie klein, beschämt und unsichtbar halten sollen. Gisèle Pelicot passte dort nicht hinein. Sie weigerte sich, spielte nicht mit, sie sprach. Und auf einmal ist klar: Courage muss nicht laut oder hysterisch sein, um alles zu verändern. Übrigens noch so ein Rollenbild, in das Frauen gerne gedrängt werden. Von einer Frau, die ihre Stimme erhebt und für sich einsteht, wird in diesem Kontext nur zu gerne von „Hysterie“ gesprochen, nicht aber von Wahrheit oder Mut. Gisèle Pelicot hat dieses Rollenbild zertrümmert. Sie hat gezeigt, dass Mut nicht schrill, Widerstand nicht theatralisch und Wahrheit nicht leise sein muss. Dass eine Frau, die für sich einsteht, ganze Ordnungen ins Wanken bringen kann.
Hier beginnt der Bruch: Opfer müssen nicht schweigen. Opfer müssen keine Schuld fühlen. Opfer dürfen ihre Stimme zurückerobern: „Wenn Sie Opfer sind, schämen Sie sich nicht. Sie haben diese Kraft. Ich hatte sie auch. Ich glaube, dass sie alle diese Kraft haben“, sagt sie und blickt durch den Saal. Diese Kraft ist mehr als Mut. Sie ist Selbstermächtigung, ein Akt der Rebellion gegen jede Ordnung, die Opfer kleinhalten wollte. Sie verändert Blicke – nicht nur die der Täter, die plötzlich ihre Angriffe nicht länger wirksam sehen –, sondern auch die der Gesellschaft. Sie verändert Räume – von Gerichtssälen über Schlafzimmer bis hin zu Klassenzimmern und Büros.
Es ist nie zu spät, sich zu erheben
Wer diese Kraft spürt, merkt, dass sie nicht nur auf die eigene Geschichte wirkt. Sie strahlt aus, berührt andere, reißt Mauern ein, die uns unsichtbar halten sollten. Sie zeigt: Es ist möglich, die Stimme zu erheben, ohne Angst, ohne Scham. Es ist möglich, dass Haltung die alte Logik von Täter- und Opferrollen zerstört und den Blick auf die Welt dauerhaft verschiebt. Im kleinen Saal der Hamburger Laeiszhalle wurde dieser Systembruch für mich erstmals sichtbar und greifbar. Standing Ovations, Jubelrufe. Ein Saal voller Menschen, die spürten, dass sich gerade wirklich etwas verschiebt – in eine bessere, zukunftsweisendere Richtung. Nicht nur für ihre Generation, sondern auch für alle nachfolgenden. Endlich wurde ein System gebrochen, das Opfer beschämt und Täter schützt. Das hier war keine Veranstaltung, die man nach 90 Minuten einfach abhakt und verlässt, um sich daheim noch schnell die Zähne zu putzen und dann ins Bett zu hüpfen. Diese 90 Minuten verändern den Blick auf uns selbst und darauf, was wir uns gefallen lassen – und sie wirken gegen Regeln und Rollenbilder, die lange genug Frauen die Schuld zugeschoben haben.
Gisèle Pelicot gibt Frauen die Macht zurück, die ihnen zusteht
Was geschieht, wenn Opfer sich weigern, Opfer zu sein? Im ersten Moment wirken wir unbequem, ruppig und anstrengend. Diese Sichtweise wird vor allem die Täterseite bejahen, da bin ich mir sicher. Wenn wir diese Gesichter und Gedanken jedoch ausblenden und uns auf uns selbst besinnen, öffnen sich Räume, die lange verschlossen waren. Und es ist nie zu spät, sich für diesen Weg zu entscheiden. Pelicot ist mit ihren 73 Jahren das beste Beispiel: „Den Opferstatus habe ich fünf Jahre getragen. Ich bin aus meiner Asche auferstanden. Denn man muss sich erlauben, wieder glücklich zu sein.“ Dank Gisèle Pelicot bekommen Frauen jeden Alters die Macht zurück, die ihnen zusteht: sichtbar zu sein, gehört zu werden, die eigene Geschichte zu erzählen.
Am Ende bleibt ein Gefühl, das stärker ist als jeder Applaus: Mut, der zum Handeln bewegt. Der eine neue Grammatik der Scham entstehen lässt und der falschen Schuld den Nährboden entzieht. Was mir Gisèle Pelicot an diesem Abend deutlich gemacht hat? Dass Beharrlichkeit radikal, unbequem und schmerzhaft, aber auch heilend sein kann. Dass Mut, der nicht nur inspiriert, sondern zum Handeln aufruft, die Grundlage für eine bessere Zukunft ist. Für uns selbst und alle Frauen um uns herum. Denn wenn Frauen sich weigern, Opfer zu sein, kippt die Schuldfrage – und die Welt, wie wir sie lange kannten, gerät ins Wanken. Und das ist der Moment, in dem Scham zeigt, wem sie wirklich gilt.
Warum wir alle weniger Delulu-Labubu und mehr Bellucci sein sollten
Moment mal, war das da letzte Nacht wirklich eine echte Frau, die da über den roten Teppich gegangen ist? Die Rede ist von Monica Bellucci bei den BAFTA Awards 2026. Keine glattgebügelte Haut, kein runtergehungerter Körper, keine gesichtslose Idealisierung aus der Schönheitsklinik, sondern eine Frau, die zur Abwechslung mal ganz sie selbst ist.
Monica Bellucci in London zu sehen, war mehr als ein gewöhnlicher Red-Carpet-Auftritt. Normalerweise werden diese Events ja von der Zurschaustellung von flachen Idealen und retuschierter Perfektion dominiert. Dieser Auftritt war anders. In einer Welt, die Frauen auf glatte Oberflächen reduziert, in der Kurven und Linien zu Fehlern erklärt werden, war Bellucci ein Statement – und eine Ode ans Frausein: Schönheit darf gelebt werden. Sie darf sich zeigen. Sie darf erzählen, wer wir sind. Mit allem, was das Leben und das Alter eben so mit sich bringen.
Wahre Schönheit entsteht aus Authentizität
Was Monica Bellucci mit ihrem Auftritt deutlich gemacht hat? Dass wahre Eleganz aus Authentizität entsteht. Kurven, Falten, Augenringe, all das sind keine Makel, sondern Zeichen eines gelebten Lebens und Ausdruck von Weiblichkeit – vor allem aber: Menschlichkeit. Denn echte Schönheit entsteht nicht durch Verstecken, Korrigieren oder den Versuch, die Spuren des Lebens um jeden Preis wegretuschieren zu müssen. Sie entsteht durch Selbstliebe und durch Mut zur eigenen Geschichte. Es sind die sichtbaren Spuren von Erinnerungen, von Freude, Schmerz und Überwindung, die in Belluccis Gesicht geschrieben stehen. Vom Lachen und Weinen, vom Jubeln und Toben.
Monica Bellucci hat auf dem Red Carpet übrigens ein schwarzes Kleid im Meerjungfrauenstil von Stella McCartney und eine millionenschwere Halskette von Cartier getragen. Warum ich das nur im Nebensatz erwähne? Weil es nicht der Rede wert ist. Denn die 61-Jährige trug in dieser Nacht etwas viel Wertvolleres, das mit materiellem Wert nicht aufzuwiegen ist. Und auch nicht in der Preisliste von Schönheitspraxen zur Auswahl steht: Selbstbewusstsein, das aus Annahme entsteht. Annahme dessen, wer man wirklich ist, wie man aussieht und welchen Wert man dem eigenen Körper beimisst. Es ist die Art von Schönheit, die auch wir uns in Zeiten unrealistischer Schönheitsideale und KI wieder tiefer ins Bewusstsein zurückholen sollten. Eine Schönheit, die weiblich, sinnlich, stark und authentisch ist. Schönheit, die nicht einzig und allein Skalpellen, Fillern und Liftings zu verdanken ist, sondern dem Leben.
Wir müssen aufhören, jede Falte oder Kurve zu bekämpfen
Wenn wir alle ein bisschen mehr „Bellucci“ sein könnten, würden wir weniger Zeit damit verschwenden, uns zu verstecken, und mehr damit, uns selbst und das Leben zu feiern. Wir müssten nicht jede Falte bekämpfen oder jede Kurve verstecken. Wir könnten uns endlich erlauben, sichtbar zu sein: sichtbar lebendig, sichtbar weiblich und sichtbar schön in unserer Echtheit. Nicht das Kleid, nicht der Schmuck, nicht der Glamour und auch nicht die Aura des Unnahbaren machten Monica Bellucci an diesem Abend zum Vorbild. Sie war ein Vorbild, weil sie echt war. Und genau das ist der wahre Luxus der Weiblichkeit. Worauf warten wir noch?
Was wir vom Pariser Croissant lernen können – und warum Apfelkuchen das wahre Glück ist
Paris konsumiert nicht nur, die Stadt zelebriert. Und zwar jeden einzelnen Bissen. Croissants, Macarons, Éclairs… All diese kleinen Köstlichkeiten sind an Genuss und Handwerkskunst nicht nur schwer zu überbieten, sie strahlen auch einen gewissen Stolz aus. Und ich finde: Von dem könnten wir uns hierzulande ruhig mal etwas mehr auf den Teller laden.
In Paris ist der Morgen ein kleines Ritual aus Teig, Butter und Knusprigkeit. Mehr? Braucht es nicht, um den Endorphinspiegel aus dem Tiefschlaf zu holen. Ich durfte es selbst schon am eigenen Leib erfahren. Der erste Bissen in ein Croissant im Café de Flore? Wirklich immer eine Offenbarung, die mir hierzulande oft fehlt. In Paris ist es selbstverständlich, dass heimisches Gebäck mehr ist als etwas, das man einfach nur in eine Papiertüte stopft und dann irgendwo zwischen Büro, Bahn und Küchentresen in sich hineinschlingt. Ein Croissant wird gefeiert, ein Macaron bewundert, ein Éclair zelebriert. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Selbstverständlichkeit. Es geht um Handwerk, um Haltung, um Stolz auf das, was man schafft. Warum schaffen wir das eigentlich nicht auch?
In Deutschland wird alles in Sahne, Gelatine, Zuckerguss oder Fondant ertränkt
In Deutschland wirken Backwaren (abgesehen von Brot und Brötchen, darin sind wir einfach unübertroffen!) oft wie unscheinbare Begleiter des Alltags: solide, verlässlich, aber selten spektakulär. Wir widmen uns voller Leidenschaft der Neuinterpretation von Kanelbullar, Brownies, Muffins oder Bananebrot, aber selten dem, was uns wirklich ausmacht. Warum verlieben wir uns in französische Croissants und schwedische Zimtschnecken, nicht aber in unsere eigenen Backtraditionen? Ich weiß es: Ein trockener Rührkuchen, der selten mehr als ein Lückenfüller ist, ein schlichter Hefezopf, der geschmacklich eher an Pappe erinnert, ein Obstkuchen mit glibbriger Geleehaube. Und dann wäre da noch dieses Phänomen, ständig alles in Sahne, Gelatine, Zuckerguss, Puderzucker oder Fondant ertränken zu müssen. Sexy und nach Gaumenfreude klingt das nun wirklich nicht gerade. Oder wann haben Sie zuletzt ein richtig, ich meine ein richtig, richtig gutes Stück Apfelkuchen gegessen? Eben. Auch ich müsste jetzt sehr lange überlegen. Irgendwie traurig, oder? Dabei erzählen doch gerade diese Klassiker die besten Geschichten. Der Duft eines frisch gebackenen Apfelkuchens, der noch warm aus dem Ofen kommt, Streusel, die beim Schneiden des Zwetschgenkuchens leicht knistern, ein Hefezopf, der beim Reinbeißen weich und fluffig ist wie eine Wolke. Wie das schon klingt! Diese Klassiker sind nicht einfach nur Gebäck, sie sind Handwerk, Geschmack und Erinnerung zugleich. Und genau diese kleinen Geschichten verdienen es, wieder gesehen und erlebt zu werden.
Das große Genuss-Abenteuer muss nicht in Paris oder New York beginnen
Wer sagt, dass all das nicht so aufregend sein kann wie ein Croissant von Angelina in der Rue de Rivoli oder Macarons von Ladurée? Wer sagt, dass ein klassischer Käsekuchen, Maulwurfkuchen oder Bienenstich nicht auf moderne Art überraschen könnte? Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mir läuft schon beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen. Das große Genuss-Abenteuer muss nicht in Paris oder New York beginnen. Manchmal liegt es direkt vor uns – auf dem heimischen Teller. Fernab von Tarte Tatin und Cronut. Was es dafür braucht? Eine Prise Mut im Teig. Dann werden Käsekuchen & Co. wieder zu dem, was sie eigentlich sein sollten: kleine kulinarische Liebeserklärungen an die Heimat.
Von der Küche auf den Runway: Warum Omas Schürze plötzlich das stärkste Statement der Saison ist
Ich erinnere mich noch ganz genau an die Schürze meiner Oma. Sie war orange-rot geblümt und duftete nach Sprühstärke. Jeden Sonntag um Punkt 8 Uhr wurde die Prilblumen-Schürze aus der Kommode im Schlafzimmer geholt und angelegt. In dem Teil war meine ohnehin schon toughe Oma gleich noch tougher. Als hätte sie gerade ihr Superman-Cape umgelegt. Und in gewisser Weise war es das auch. Während Männer von der großen Welt träumen durften, kümmerten sich Frauen zu Omas Zeiten noch hauptsächlich darum, dass der Laden lief. Seitdem hat sich viel verändert. Schürzen und Kittel sind Vergessenheit geraten. Oder besser gesagt: Wir wollten sie ganz schnell vergessen. Um nicht auf etwas reduziert zu werden, das uns als Frau im Kern jahrzehntelang ausgemacht hat: Hausfrau zu sein. Ausgerechnet jetzt entdecken Designer:innen dieses vermeintlich verstaubte Kleidungsstück wieder. Zufall, Provokation oder Nostalgie?
Die Rückkehr der Schürze ist kein Symbol für Rückschritt
In dieser Saison stach ein Kleidungsstück bei den Schauen von Paris bis New York besonders hervor: die Schürze. Miu Miu, Louis Vuitton, Ashley Williams, Moschino – sie alle ließen ihre Models in Interpretationen jenes Kleidungsstücks über die Runways schreiten, das Mamas und Omas einst ganz selbstverständlich im Alltag trugen. Bei Cecilie Bahnsen erinnerte die Schürze an ein hauchzartes Sommerkleid, der Entwurf von Ashley Williams schwebte irgendwo zwischen Krankenschwester und Sonntagskluft für den Großputz. Und bei Miu Miu traf die Schürze auf derbe Lederschuhe, Baumwollhose und Outdoorjacke. Doch Provokation? Jein. Zurück an den Herd wollen uns die Designer:innen darin ganz sicher nicht schicken. Vielmehr geht es darum, etwas sichtbar zu machen: die vielen Stunden, in denen Frauen (noch immer) unbezahlte Care-Arbeit leisten. Auch heute noch. Die Rückkehr der Schürze ist kein Symbol für Rückschritt, sondern für Erinnerung. An die unsichtbare Arbeit, die unsere Welt zusammenhält. An Omas Hände, die Teig kneteten, während sie nebenbei das Leben ihrer Familie in Balance hielten. An Mütter, die zwischen Bügelbrett und Büro pendelten, ohne dass jemand nachzählte, wie viele Stunden sie opferten. An Träume, die sorgsam zusammengefaltet in der Küchenschublade lagen – für später, irgendwann.
Die Schürze ist heute Erinnerung, Hommage und Mode zugleich
Heute tragen wir die Schürze nicht mehr aus Pflicht, sondern aus Haltung. Sie ist Erinnerung, Hommage und Mode zugleich – und ein Statement. Wenn wir sie mit Blusen, Hosen oder sogar Cocktailkleidern kombinieren, zitieren wir nicht nur einen Trend, sondern eine Geschichte. Die Geschichte von Frauen, die funktioniert haben, bevor man ihre Arbeit überhaupt Arbeit nannte. Unsere Großmütter banden sich die Schürze um, weil es selbstverständlich war. Weil niemand fragte, wer sonst den Teig kneten, Hemden bügeln oder Kinder trösten sollte. Auch viele unserer Mütter trugen sie noch. Und gleichzeitig schon die erste Aktentasche. Sie standen zwischen zwei Welten und versuchten, beiden gerecht zu werden. Oft leise. Oft über ihre Grenzen hinaus. Heute können wir uns nehmen, was uns einst auf eine Rolle festlegte – und es neu definieren. Als Zeichen der Selbstbestimmung, Rebellion oder was immer wir damit sagen wollen. Denn ob wir die Schürze heute aus dem Schrank holen oder nicht, das entscheiden wir selbst. Und niemand sonst. Oma wäre stolz!